Wann fällt die Riesenantenne an der A4?


Wann  fällt  die  Riesenantenne  an  der  A4?

Der  Wilsdruffer  Förderverein  zum  Erhalt  des  Funkturms  ist  froh,  dass  der  Eigentümer  noch  nicht  gehandelt  hat.  Nun  gehe  der  Kampf  weiter.

Für  Sabine  Neumann  und  ihren  Verein  lief  es  2020  besser  als  gedacht.  Der  Förderverein  hat  ein  wichtiges  Ziel  zumindest  vorläufig  erreicht:  den  Erhalt  der  Riesenantenne  auf  der  Birkenhainer  Höhe.  Entgegen  den  Plänen  des  Eigentümers,  der  Kölner  Firma  Media  Broadcast,  wurde  die  Antenne  des  früheren  Mittelwellensenders  nicht  abgerissen.  Eigentlich  sollte  das  nach  ersten  Plänen  des  Unternehmens  bereits  2019  geschehen.

"Ja,  der  Bleistift  steht  noch  -  das  freut  die  Mitglieder  und  Freunde  des  Fördervereins  sehr",  sagt  die  Vereinschefin,  die  vor  zwei  Jahren  antrat,  den  Masten  zu  erhalten.  Damals  startete  sie  eine  Online-Petition,  die  von  4.323  Frauen  und  Männern  -  gut  zur  Hälfte  aus  dem  Landkreis  Sächsische  Schweiz-Osterzgebirge  -  unterstützt  wurde.

"Wir  schreiben  uns  die  Tatsache,  dass  er  bisher  nicht  sang-  und  klanglos  'gefällt'  wurde,  schon  ein  wenig  auf  die  Fahne",  sagt  sie.  Sie  und  ihre  Mitstreiter  seien  nicht  untätig  gewesen.  Man  habe  Gespräche  auf  allen  Ebenen  geführt,  habe  die  Öffentlichkeit  über  aktuelle  Entwicklungen  informiert  und  einen  gewissen  Druck  auf  den  Eigentümer  der  Antenne  aufgebaut.  "Natürlich  wird  auch  Corona  uns  in  die  Karten  gespielt  haben",  sagt  sie.  Bisher  habe  sie  noch  keinerlei  Zeichen  bekommen,  dass  in  naher  Zeit  ein  Abriss  stattfinden  wird.  Das  stimmt  sie  optimistisch  -  und  ermutigt  sie.
Der  Förderverein  möchte  auch  2021  weiter  für  den  Erhalt  des  Turmes  und  der  dazugehörigen  Technik  kämpfen.  "Derzeit  sind  uns  die  Hände  gebunden,  aber  sobald  es  Lockerungen  gibt,  wird  es  erst  eine  Vorstandssitzung  und  dann  eine  Mitgliederversammlung  geben",  sagt  sie.  Unter  anderem  ist  geplant,  in  diesem  Jahr  eine  coronabedingt  abgesagte  Veranstaltung  auf  dem  Marktplatz  in  Wilsdruff  nachzuholen.  Als  Vereinsvorsitzende  wird  sie  weiterhin  das  Gespräch  mit  der  Politik  suchen.  Vielleicht  ist  die  Antenne  langfristig  zu  retten.  Ansonsten  hat  sie  einen  Plan  B.  Dieser  sieht  vor,  zumindest  die  Technik  zu  erhalten,  um  so  an  den  Turm  zu  erinnern.

Ein  Beispiel  dafür  könnte  der  Sender  Überherrn  im  Saarland  sein,  sagt  Wolfgang  Lill,  der  sich  ebenfalls  für  den  Erhalt  der  Sendeanlage  einsetzt,  sich  in  seiner  Freizeit  für  Rundfunktechnik  interessiert  und  als  ehrenamtlicher  Redakteur  des  Portals  radiomuseum.org  arbeitet.  Dort  berichtet  er  ausführlich  über  den  einst  reichweitengrößten  Langwellensender  der  Welt,  der  nahe  der  französischen  Grenze  steht.
Sabine  Neumann  leitet  den  Förderverein  Funkturm  Wilsdruff.

Von  dort  wurde  einst  das  Programm  Europa  1  ausgestrahlt.  Ähnlich  wie  in  Wilsdruff  war  der  Sender  zu  einem  Wahrzeichen  geworden.  Allerdings  gehörten  zu  ihm  zuletzt  vier  Stahlmasten.  Doch  nachdem  der  Sendebetrieb  Ende  2019  dort  eingestellt  wurde,  wurden  sie  nicht  mehr  benötigt.  Zunächst  wurden  die  zwei  234  Meter  hohen  Antennen,  dann  die  276  und  270  Meter  hohen  Antennen  umgelegt.  Doch  anderes  als  in  Wilsdruff  kaufte  die  dortige  Gemeinde  Überherrn  Mitte  2016  das  Objekt  mit  Hilfe  einer  Förderung  für  120.000  Euro,  um  die  Gebäude  zu  erhalten,  sagt  Lill.

Und  was  sagt  die  Media  Broadcast  zum  Thema?  "An  der  Situation  in  Wilsdruff  hat  sich  aktuell  noch  nichts  geändert",  erklärt  ein  Sprecher  des  Unternehmens.  Man  halte  an  den  Plänen  zum  Rückbau  der  Antenne  fest.  "Es  wurden  alle  erforderlichen  Unterlagen  bei  den  zuständigen  Behörden  eingereicht  und  geprüft",  so  der  Sprecher.
Unklar  bleibt,  warum  der  Turm  nicht  wie  geplant  abgerissen  wurde.  "Die  Gründe  für  die  Verzögerungen  sind  vielschichtig,  zu  Details  machen  wir  keine  Angaben",  so  der  Sprecher.  Nur  so  viel  möchte  er  preisgeben:  "Die  durch  die  Corona-Pandemie  verursachten  Einschränkungen  haben  auch  die  Vorbereitungen  des  Rückbaus  der  Antenne  beeinflusst  und  diese  zeitweise  verzögert."  Offen  bleibt,  wann  der  Turm  fallen  wird.  "Ein  Termin  für  den  Beginn  des  Rückbaus  steht  derzeit  noch  nicht  fest."

Die  vom  Landratsamt  Pirna  erteilte  Abrissgenehmigung  indes  gilt  drei  Jahre.  Sollte  in  diesem  Zeitraum  nicht  mit  der  Ausführung  begonnen  werden  oder  die  Ausführung  länger  als  zwei  Jahre  unterbrochen  werden,  erlischt  sie.  "Auf  schriftlichen  Antrag  kann  die  Genehmigung  jeweils  um  bis  zu  zwei  Jahre  verlängert  werden",  erklärt  der  zuständige  Beigeordnete  für  Bau  und  Umwelt,  Heiko  Weigel,  auf  Nachfrage.

https://www.saechsische.de/wilsdruff/turm-wilsdruff-funkturm-riesenantenne-media-broadcast-5354665-plus.html

(SZ  Freital  11.01.2021)